Viele Hoffnungen auf Hybridrasen / Vereine müssten sich für den Bau wohl zusammen tun
Jetzt ist es einmal deutlich ausgesprochen worden: Schön, dass Emden wahrscheinlich ab November endlich auch über einen Kunstrasen-Sportplatz verfügt. Aber am größten Problem des Emder Fußballs ändert das nichts – an den vielen Spielausfällen aufgrund zu nasser und zu matschiger Rasenplätze. Ausgesprochen hat es Jörg Winter, Vorsitzender des BSV Kickers Emden, auf der Hauptausschuss-Sitzung des Stadtsportbundes Emden (SSB).
„Wir müssen uns etwas überlegen, bevor wir irgendwann von Oktober bis April gar nicht mehr spielen können”, sagte Winter. Denn das Problem der Unbespielbarkeit der Plätze würde fast alle Fußballvereine in Emden betreffen. Der neue Kunstrasen sei keine Lösung, weil da „ja nur acht Mannschaften” darauf spielen. Der derzeit im Bau befindliche Platz ist den Mannschaften von Eintracht Emden JFV vorbehalten. Winters Vorschlag: Statt weiterhin auf Kunstrasen zu setzen, lieber Hybridrasen-Plätze anzustreben. Die seien für weniger Geld anzulegen, kosteten weniger in der Unterhaltung und seien auch in feuchtem Zustand noch bespielbar. Weil nicht die komplette Zerstörung der Grasnarbe beim Spiel auf matschigem Platz droht, sondern der Kunstrasen-Anteil den lebenden Rasen festhält. „Wir können doch besser drei Hybridplätze anlegen statt einen Kunstrasenplatz”, so Winters Rechnung. Die machte er auch auf im Hinblick auf das nächste Kunstrasen-Projekt beim TuS Rot-Weiß.
Wenn man von unterschiedlichen Auffassungen über die Preise von Hybridrasen-Flächen absieht, fand Winter durchaus Zustimmung bei der SSB-Führung. Allerdings verwies SSB-Vorsitzender Hans-Jürgen Wehmhörner auch auf den Test, der gerade mit einer Hybridrasen-Fläche bei FT 03 vollzogen wird. Er geht allerdings auch davon aus, dass sich das zu einem Zukunftsmodell entwickeln könnte.
Klar wurde allerdings auch, dass auch die Kosten für die Anlage von Hybrid-Rasenplätzen immer noch so hoch wären, dass nicht mit einem Hybrid-Platz für jeden Verein gerechnet werden könnte. In der Diskussion zeichnete sich ein Modell ab, dass sich mehrere Vereine für den Bau einer Hybridrasen-Spielfläche zusammentun könnten, die dann alle Partner nutzen. Der Stadtsportbund würde die Gespräche darüber moderieren und mögliche Partner an einen Tisch holen. Aber auch dann würde noch einige Zeit ins Land gehen: Zunächst gibt es einen Hybridrasen-Antrag von FT 03 für den Trainingsplatz. Der soll vielleicht schon 2018 abgearbeitet werden, eventuell erst 2019. Dann könnten weitere Projekte kommen.
Bereits im Rahmen seines Berichtes hatte SSB-Chef Wehmhörner auch angesprochen, dass die Sportplätze sehr unterschiedlich ausgelastet seien. Einige hätten große Schwierigkeiten, alle ihre Mannschaften spielen zu lassen, bei anderen stelle sich die Frage, warum es dort einen so guten Platz gebe, der aber selten genutzt werde. Ihm sei allerdings auch bewusst, dass der Wechsel auf einen Platz eines anderen Vereins ein sehr heikles Thema sei, sagte Wehmhörner.
Im Rahmen der kurzen Diskussion stellte Stadtsportbund-Chef Wehmhörner auch infrage, ob die Vereine in ausreichendem Maße Sorgfalt auf ihre Platz-Dränage legten. So eine Dränage müsse regelmäßig gespült werden. „Wenn man mal fragt, wer das macht, kommt da nicht viel”, sagte er. Bei Amisia Stern Wolthusen beispielsweise seien bisher wenige Spiele ausgefallen, weil dort die Dränage konsequent alle vier bis fünf Jahre durchgespült werde.
Allerdings ist nicht nur die Dränage oft ein Problem, sondern auch die Gräben, in die die Dränagerohre münden. Beim TuS Rot-Weiß beispielsweise würde die Dränage einwandfrei funktionieren, aber das Wasser fließe immer wieder zurück, weil der Graben voll sei, hieß es aus dem Verein. Weiteres Problem: Der Verein findet keinen Zuständigen für die Grabensäuberung, wird offenbar von der Stadt Emden an den Landkreis Aurich verwiesen und umgekehrt. An dieser Stelle schaltete sich Friedrich Busch ein, der eigentlich als Vertreter der FDP-Ratsfraktion als Gast an der Versammlung teilnahm: „Jeder Graben gehört irgendwem”, sagte der Twixlumer Landwirt. Und der Eigentümer sei für die Reinigung zuständig, wenn es sich nicht um einen Graben höherer Ordnung handele. Im Zweifelsfall sei der Entwässerungsverband Emden-Pewsum der richtige Ansprechpartner. Verbandsingenieur Jan van Dyk oder Rendant Eggo Schreitling würden immer helfen, ergänzte Martin Remmers, Vorstandsmitglied des TB Twixlum.
Dass das Problem der (zu) nassen Plätze die Vereine auch dieses Wochenende wieder drückte, machte der Borssumer Vorsitzende Tim Kruithoff am Rande der Versammlung deutlich. Er habe am Morgen, bevor er ins Rudervereins-Heim kam, noch mit Fußballabteilung und Platzkommission verhandelt. Letztere wollte den Platz am Wykhoffweg nicht bespielen lassen. Andererseits seien zu viele Ausfälle nicht gut: „Wir haben so viele Leute im Schichtdienst, wenn wir unter der Woche spielen müssen, ist das immer schlecht”, sagte Kruithoff. Die Borssumer versuchten es deshalb am Birkenweg und gewannen dort (wir berichteten).
Quelle: Emder Zeitung vom Dienstag, 24. Oktober 2017, Seite 17
