Sportfreunde packte das Sticker-Fieber

Cornelius Brechters hatte die Idee zum Larrelter Stickeralbum / Für die Firma finanziell oberes Mittelfeld bis 1. Liga.

Ängstlich sei er schon gewesen. Ziehen die Vereinsmitglieder überhaupt mit? Was ist, wenn seine Idee umgesetzt wird und nichts wird verkauft? Cornelius „Conny“ Brechters hatte einige unruhige Stunden zwischendurch, als er seine Idee zum 90. Geburtstag der Sportfreunde Larrelt dem Vereinsvorstand vorstellte. Und der stellte gleich die Bedingung: „Das darf den Verein aber nichts kosten.“

Brechters sammelt schon seit seiner Kindheit Stickeralben. Und hat sich eine beachtliche Sammlung mit außergewöhnlichen Alben zugelegt. Alle sind akkurat beklebt, da ist kein Bild schief und die Alben selbst sind in Folie. Irgendwann fragte Norbert Beek, 1. Vorsitzender der Sportfreunde, ihn eines Tages, ob er nicht noch eine Idee zum Vereinsgeburtstag habe. Und Brechters meinte nur, man könne doch ein Stickeralbum für den Verein auflegen. So kam der „Stein ins Rollen”.

Was beide damals noch nicht wussten, dass diese Idee einschlug wie eine Bombe. „Die sind positiv verrückt da oben“, posteten die Macher der Alben, die Agentur für Sport- und Vereinsmarketing Passgeber/Stickerfreunde, auf ihrer Internetseite. „Dass wir so deutlich tiefer gestapelt haben in unserer Prognose, ist schon außergewöhnlich“, sagte Lukas Greiten von der Agentur. Es werde immer erst niedrig mit der Produktion gestartet. „Wir wissen ja auch nicht, wie das ankommt.“ Das sei aber schon eine Hausnummer in Larrelt geworden.

Greiten betonte im Gespräch mit der Emder Zeitung auch, dass die Agentur verdienen will und muss. „Finanziell ist dieses Stickeralbum in Larrelt für uns oberes Mittelfeld bis 1. Liga.“ Ein Lob, auf das die Sportfreunde stolz sein können. Angetan sei er auch von dem Andrang („schon außergewöhnlich“) bei den Tauschbörsen gewesen, von denen die Sportfreunde sechs organisierten. „Das starke Vereinsgefühl hat man in Larrelt bei jedem Termin gemerkt.“

Auch Brechters ist von der Organisation rund um das Larrelter Stickeralbum und den Stickeralben-Zahlen hin und weg. „Das Fotoshooting der vielen Vereinsmitglieder war eine Herausforderung.“ Es sei zugegangen wie in einem Ameisenbau. An zwei Terminen ging es im Vereinsheim Schlag auf Schlag, in den Kabinen zogen sich die Sportler um. Dort hingen auch die Zettel, wer wann dran ist. Alles straff organisiert. Und Brechters bekam beim Fotoshooting mehr als einmal von den Mitgliedern mit einem Lächeln im Gesicht zu hören: „Da hast Du aber etwas angezettelt.“ Immerhin sind 562 Bilder im Album, das Fotografieren der Mitglieder war auch eine ordentliche Hausnummer.

Die Agentur machte sogar eine Ausnahme bei den Larreltern, was ein bestimmtes Foto anging. Normalerweise werden nur Bilder verwendet, die bei den Fototerminen von der Firma nach bestimmten Vorgaben gemacht wurden. „An beiden Terminen war unser Ehrenvorsitzender Rudolf Röcken verhindert, und das Bild von ihm ist das einzige im Album, was nicht im Sportheim von der Firma aufgenommen wurde.“ Auch das freut Brechters und den gesamten Vorstand sehr, dass das von der Agentur so akzeptiert und möglich gemacht wurde.

Ein Paket mit den Klebebildern umfasst 100 Tüten mit je vier Bildern, also 400 Bildchen pro Paket. Die Firma hat sage und schreibe 385 000 Bilder in Auftrag gegeben. 620 Alben gingen bei „Multi“ im Dollart-Center und bei „Nah und Gut Janssen“ im Ortskern von Larrelt über die Ladentheke. „Multi hat sich beim Verkaufsstart sehr viel Mühe gegeben und einiges für uns bereitgestellt“, staunt Brechters auch nach Wochen noch. Die Bildchen gingen dermaßen gut weg, dass die Agentur gleich zweimal nachbestellen musste.

Ob er auch stolz sei auf seine Idee? Mit dieser Frage kann Conny Brechters nicht viel anfangen. „Ich freue mich, dass alle so mitgezogen haben, aber stolz?“ Er findet, dass die Larrelter mit diesem Stickeralbum so etwas wie eine Dorfchronik oder auch ein Familienbuch haben. „Da kann man immer wieder reinschauen und sehen, wer so alles im Verein war, auch noch in dreißig, vierzig Jahren.“ Ein Stickeralbum mit bleibendem Wert, nannte es die 2. Vorsitzende Nicole Meyer. „Genau, das Album ist nichts, was in kurzer Zeit vergessen wird“, sagte Brechters.

Die Zusammenarbeit mit den Sponsoren habe auch gut geklappt. „Das ist ja für eine lange Zeit eine gute Werbung für sie.“ Auch bei denen kam die Idee sofort gut an. Überhaupt sei er sehr oft darauf angesprochen worden. Eigentlich seit dem Tag, als in der Emder Zeitung etwas über seine Sammelleidenschaft stand. „Gleich danach waren wir im Urlaub in der Türkei und dort bekomme ich doch eine WhatsApp-Nachricht von einem Sportkollegen, wie toll er den Bericht gefunden hat. Dabei war der gerade in China unterwegs.“

Er selbst hat natürlich auch ein Album, Brechters wird bei seiner Sammelleidenschaft nicht gerade das Larrelter Stickeralbum vergessen, er ist ja schließlich zweimal auf Bildern vertreten, einmal im Bautrupp („Bild Nummer 83“) und einmal im Organisationsteam (Bild 84). Nein, eingeklebt hat er noch nicht alle Bilder. „Das ist für mich Entspannung pur, und dafür nehme ich mir auch die Zeit.“ Es soll ja genauso akkurat aussehen wie in seinen anderen Alben. „Und ich habe, wie vielleicht andere auch, noch viele doppelte Bilder, da müssen wir uns noch etwas überlegen.“ Aber nach der zeitintensiven Arbeit, die er gerne gemacht hat, braucht er etwas Stickeralben-Ruhe.

Ach ja, und die Vorgabe vom Vorstand, dass die Umsetzung den Verein nichts kosten darf, ist auch eingehalten worden. Vielleicht nicht ganz, ein paar Nerven sind schon auf der Strecke geblieben, nicht nur beim Ideengeber. Aber es hat sich in jedem Fall gelohnt, Cornelius Brechters’ Sammelleidenschaft und seiner Idee dank.

Quelle: Emder Zeitung vom Montag, 3. September 2018, Seite 20
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