Diskussion über Frauenfußball-Zukunft ist in Gang

Viel zu tun – aber wer macht’s?

Der sprichwörtliche Stein ist ins Rollen gebracht: Nach einem ersten Informations- und Diskussionsabend in dieser Woche über die Zukunft des Frauenfußballs in Emden steht fest, dass die bisherigen Frauenfußball-Akteure und -Akteurinnen nicht tatenlos abwarten wollen, wie sich der Emder Frauenfußball in Zukunft entwickelt. Mehr noch: Alle waren sich im Verlauf des Abends mehr oder weniger einig, dass es ohne bewusstes Bemühen um den Frauenfußball wohl eher keine Zukunft für diesen geben wird.

Alle Vereine mit aktivem Frauen- und Mädchenfußball waren vertreten und der Einladung des Vize-Vorsitzenden des NFV-Kreises Ostfriesland, Rainer Hoffmann, nachgekommen. Spielerinnen, Trainerinnen und Trainer waren da, allerdings wenige Vorstandsmitglieder. Trotzdem war das Grundproblem, das Hoffmann noch einmal in einem kleinen Eingangsvortrag erläuterte, schnell mit Beispielen aus dem Fußball-Alltag angereichert: Es sind eigentlich zu wenige Spielerinnen da, vor allem zu wenig Jugendmannschaften und damit Nachwuchs für Emder Frauen-Fußballmannschaften.

Fast alle, selbst die personell im Moment sehr gut ausgestatteten Twixlumer Erste, haben ständig mit Personalproblemen zu kämpfen. Am Sonntag beispielsweise stehen Twixlums Trainer Joachim Patzelt wahrscheinlich nur zwölf Spielerinnen zur Verfügung. Die SG SuS/FT/Twixlum II erwägt sogar, sich zur Winterpause zur Neuner-Mannschaft umzumelden, weil es vorne und hinten nicht zu einer Elf reicht.

Das Hauptproblem aber ist die fehlende Jugend. Zwar hat das erst im vergangenen Jahr entstandene neue Frauen-Team des TuS Rot-Weiß inzwischen auch eine neue Siebener-B-Mädchen-Mannschaft. Dennoch gibt es im Moment eigentlich keine durchgängige Jugend. Zwischen der Kickers-Mannschaft von Sonja Buß, die halb aus B-, halb aus A-Mädchen besteht, und den D-Mädchen der SG Emden-West klafft eine große Lücke, und darunter erst recht.

In der Diskussion stellte sich heraus, dass auf dem Gebiet der Neugewinnung in der Vergangenheit auch Fehler gemacht

Irgendwann fehlt die Anschluss-Mannschaft

wurden, die ab sofort vermieden werden sollen: Wenn irgendwo Mädchen Fußball spielen wollten, hat der entsprechende Verein eine Mädchen-Mannschaft aufgemacht. Manchmal existierte sie ein paar Jahre. Oft aber laufen sie ins Leere, wenn wenige Mädchen abspringen und es dann nicht mehr reicht. Meist fehlt auch der Anschluss, wenn einzelne eine Altersgrenze erreichen. Die Erkenntnis war spürbar. Mit einer zentralen Anlaufstelle für Mädchen, die Fußball spielen, könnte es besser laufen.

Dann hätten auch die Mädchen einen Anlaufpunkt, die mangels Mädchenmannschaften erstmal bei den Jungs mitspielen. Für sie persönlich sei das eine sehr wichtige Zeit gewesen, stellte Kickers-Kapitänin Stefanie Schröder fest. Die ist aber begrenzt: Bisher dürfen Mädchen nur bis zur C-Jugend bei Jungs mitspielen. Wenn dann keine passende Mädchenmannschaft vorhanden ist, kommt es schnell zum Abschied vom Fußball.

Eine wichtige Rolle als zentrale Anlaufstelle – und darüber hinaus auf dem Weg zu weitergehender Kooperation – könnte dem Verein Eintracht Emden JFV zukommen. Unter dem Dach der Eintracht wird bereits in der männlichen Jugend erfolgreich kooperiert. Grundsätzlich wäre das auch bei den Mädchen so – wenn es die denn gäbe. Das wird im nächsten Jahr der Fall sein: Dann rückt die D-Mädchen-Mannschaft der JSG West als C-Mädchen-Mannschaft in die Eintracht-Reihen, denn die JSG Emden-West-Vereine sind alle Eintracht-Stammvereine. Sie könnte also die Basis für den weiteren Weg zu mehr Kooperation bilden.

Allerdings wurde nicht nur in dem Zusammenhang ein weiteres Kern-Problem deutlich, das auch nicht nur Frauen- und Mädchenfußball betrifft: Es geht um die Frage, wer das dann macht. Es fehlt nämlich an Trainern und Betreuern für weitere Mädchen-Mannschaften. In der Diskussion am Dienstagabend wurde deutlich, dass es durchaus Ideen gibt, um Mädchen den Fußball schmackhaft zu machen. Aber es fehlen die Leute, um sie dann beider Stange zu halten. Und die müssten aus den Stammvereinen kommen. Eintracht-Vertreter Otto Macknow sagte es deutlich: „Es nutzt nichts, wenn ich irgendwann einen Stapel Spielerpässe kriege und muss dann zusehen, wer die Jugendlichen trainiert.”

Wohin geht es also? Weitergehende Kooperationen bis hin zu Spielgemeinschaften oder einem zentralen Emder Frauenfußballverein sind durchaus denkbar, aber im Moment noch weit entfernt. Dass sie eine Maßnahme sein könnten, damit Emden insgesamt im Frauenfußball konkurrenzfähig bleibt, wurde durchaus gesehen.

Auf jeden Fall bleibt die Diskussion im Gang: Initiator Rainer Hoffmann wird zunächst die weitere Entwicklung koordinieren und zu einem nächsten Treffen einladen.

Quelle: Emder Zeitung vom Samstag, 24. November 2018, Seite 27
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