Schwimmausbildung

Schwimmausbildung – Auf die Vereine kommen gewaltige Aufgaben zu.

Die Schwimmvereine wissen, dass mit einer guten Schwimmausbildung in Kindertagen die Weichen dafür gestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen vielleicht später das Schwimmen als Wettkampfsport nutzen werden. Doch die Ausbildung dient vor allem dazu, damit sich jeder über Wasser halten kann, sollte er einmal in einen Kanal oder ein anderes Gewässer fallen. „Ich möchte im Sommer nicht wieder über Badetote lesen“, sagte der 1. Vorsitzende vom SV Neptun Emden, Matthias Drüner .

Doch die Schwimmausbildung kann von den Beteiligten, sei es von den Vereinen, dem Bürgerbad in Emden oder auch der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Emden, nicht in gewohnter Form umgesetzt werden. Die Corona-Pandemie hat auch die Türen der Schwimmbäder geschlossen. „Vielleicht werden die Freibäder bald wieder öffnen dürfen, bei den Hallenbädern sieht es aber wahrscheinlich anders aus“, so Drüner. Was allen aufgrund der Pandemie fehlt, ist eine Perspektive, ein zeitlicher Rahmen, wann es verlässlich wieder weitergeht.

Es gibt einen großen Rückstau in der Schwimmausbildung

Doch mit einer Öffnung der Bäder ist es nicht getan. „Wenn wir wieder die Kurse anbieten können, dann steht praktisch ein ganzer Jahrgang ohne Schwimmausbildung da, der auch Zeiten in den Kursen benötigt“, so Drüner. Plus diejenigen, die jetzt mit dem Schwimmenlernen anfangen würden. „Bei so vielen Kindern sind ein paar Kurse nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Es gebe einen nicht zu unterschätzenden Rückstau in der Schwimmausbildung.

Drüner ist sich sicher, dass die Schwimmausbildung ein enormer Kraftakt aller Beteiligten werden wird, der nur gemeinsam gemeistert werden kann. „Dazu fehlt uns mit dem Freibad Borssum eine Wasserfläche, die wir nicht nutzen können.“ Drüner weiß um die Situation dort, sagte aber ganz klar: „Als Vorsitzender eines Schwimmvereins kann ich das nur negativ bewerten, wenn sich im Borssumer Freibad in Sachen Sanierung nichts mehr tut.“

„Seit März letzten Jahres mussten wir alle Kurse runterfahren“, sagte Heike Ahrens von den Neptunern. Und: „Diejenigen, die gerade ihr Seepferdchen gemacht haben, fangen doch bei Null wieder an.“ Dazu sei die Ausbildung ein wenig verschärft worden, es wird jetzt von den Kindern mehr gefordert. „Das Seepferdchenabzeichen bringt keine Sicherheit im Wasser“, so Ahrens, es ist nur der erste Schritt, um mit dem Wasser langsam vertraut zu werden. „Deshalb brauchen wir, wenn es wieder losgeht, auch verlässliche Termine im Wasser“, forderte Drüner.

Gudrun Schöttes , Vorsitzende des Bürgervereins van Ameren-Bad, hat mit den vielen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern die Kinder immer im Blick. „Deshalb haben wir im vergangenen Jahr auch bei der Ferienpassaktion mitgemacht, damit wenigstens etwas für die Kinder unter den Corona-Auflagen im Freibad möglich war.“ Das habe super geklappt. Was die Anfragen beispielsweise vom SV Neptun angeht, schaut Schöttes positiv nach vorne, kann aber keine feste Zusagen machen. „Wir wollen helfen und werde versuchen, Probleme zu lösen.“ Rund 60 Kinder – „manchmal mehr, manchmal weniger“ – lernen in mehreren Kursen im Bürgerbad in jedem Jahr das Schwimmen.

2019 haben in Emden insgesamt 705 Kinder das Schwimmen erlernt. Die Teilnehmerzahlen lassen sich nach Kursanbietern aufdröseln. So sind die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (24 Kurse/240 Teilnehmer) und der Schwimmverein Neptun (15/180) Spitzenreiter. Es folgten vor zwei Jahren der Integrierter Sportverein Emden (6/60, 80 Kinder auf einer Warteliste), die Friesentherme (6/60), die Stadt Emden (Ferienpass-Aktion, 3/45), das Johannes-Althusius-Gymnasium (4/40), das Max-Windmüller-Gymnasium (4/40) und die Oberschule Wybelsum (4/40). Die Emder Grundschulen boten 2019 wöchentlich insgesamt 13 Stunden Schwimmen im Rahmen des Schulsportes an, bei den weiterführenden Schulen waren es insgesamt 19 Stunden.

Frage: Wie viele Menschen lernen bei Ihnen normalerweise im Jahr das Schwimmen?

Joachim Golz: In der Anfängerausbildung bilden wir circa 70 bis 80 Kinder im Jahr aus für das Seepferdchen-Abzeichen. Daraus ergibt sich für die Folgekurse im Jahr weitere circa 80 Kinder im Bereich Bronzeausbildung. Ab diesem Zeitpunkt sprechen wir in der DLRG von einem sicheren Schwimmer. In den Folgekursen werden die erlangten Fertigkeiten gefestigt und vertieft. In diesen Kursen sind unterschiedlich bis zu 50 Kinder im Jahr.

Frage: Finden Sie es gerechtfertigt, dass das Schwimmen – gerade für Kurse und Prüfungen, die auch einzeln stattfinden können – komplett untersagt ist?

Sicherlich muss es in dieser Zeit Regeln geben, um Krankheiten möglichst zu vermeiden. Mögliche Folgeschäden bei den Kindern durch die Einschränkungen kann man aber auch nicht abschließend bewerten.

Frage: Ein Ausblick in die Zukunft: Glauben Sie, dass es durch diese ein, vielleicht zwei, Jahrgänge auf lange Sicht zu Problemen kommen kann, was die Schwimmfertigkeit der Emder angeht?

Auch bei großer Anstrengung werden die Kinder nicht alle zeitnah das Schwimmen erlernen können. Es wachsen Jahrgänge nach, und die Anzahl der Kurse kann nicht einfach erhöht werden.

Frage: 2021 – sofern es Corona wieder zulässt – wird der Anspruch entsprechend groß sein. Wie wappnen Sie sich? Wir können dem Ansturm nichts entgegen setzen. Die Wasserzeit im Bad lässt sich nicht einfach verändern, die Ausbilder arbeiten ehrenamtlich und können auch nicht einfach mehr Zeit aufbringen.

Frage: Schwimmkurse sind auch eine Einnahmequelle: Haben Sie das in den eigenen Vereinskassen gemerkt? In was für einem Bereich bewegen wir uns da?

Durch die Einnahmen der Schwimmkurse decken wir im Wesentlichen die Badkosten, Materialkosten und Übungsleiterkosten für Ausbildung und mehr. Im Jahresdurchschnitt bleiben nicht mehr als rund 2000 Euro, die so in die Vereinskasse fließen. Aus diesem Einnahmen decken wir die Kosten für unsere Einsatzboote, Mieten für Räumlichkeiten, Fahrzeugunterhaltung.

Quelle: Emder Zeitung von Freitag, dem 19.02.2021 (Seite 15)
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