Neue Freiwilligenagentur will ehrenamtliche Tätigkeiten vorantreiben

„Keine Medikamente mehr” /

Ehrenamtliche Arbeit ist der Kitt, der inzwischen weite Teile der Gesellschaft zusammenhält, zumindest aber vieles im Zusammenleben erleichtert. Bedarf und Potenzial sind groß. Die neue Freiwilligenagentur der Stadt Emden, die am Samstag im Barenburger Kulturbunker ausführlich vorgestellt wurde, soll beidem Rechnung tragen.

Aus einer halben Stelle ist – dank entsprechender Landesförderung – eine ganze geworden. Nach Jahren habe das nun endlich geklappt, freut sich Sven Dübbelde, Ansprechpartner für ehrenamtliche Arbeit, zuletzt in der Koordinierungsstelle, nun in der Agentur, die zum neuen Fachdienst (FD) Gemeinwesen gehört. Dübbelde und FD-Leiter Egon Philipps begrüßten rund 80 Gäste im Saal des Kulturbunkers – überwiegend bereits ehrenamtlich arbeitende Emder.

Der Beratungsbedarf derer, die etwas tun, die helfen wollen, ist offenbar groß. Er habe in nunmehr sieben Jahren zahlreiche Gespräche geführt, sagte Dübbelde. Es sei ein Trugschluss gewesen, ehrenamtliche Tätigkeiten via Internet vermitteln zu wollen. Entstanden aus diesen Gesprächen sind unter anderem Sportpartnerschaften und die Initiative Nettwark für Senioren, die von Mitgründer Enno Jegelka vorgestellt wurde.

Die Ehrenamts- oder Freiwilligen-Palette in Emden ist bunt. 45 Seniorenbegleiter gibt es inzwischen und 34 Flüchtlingshelfer. Gebraucht werden aber auch Gassi-Geher, Katzenkrauler, Vorleser, Ausbildungsbegleiter oder Fahrradcodierer. 477 Ehrenamtskarten wurden inzwischen vergeben, Vergünstigungen für Ehrenamtliche, die wenigstens seit drei Jahren mindestens fünf Stunden pro Woche andere Menschen unterstützen. Dabei gibt es, wie Bürgermeisterin Doris Kruse in ihrer Begrüßung betonte, „so viele einfache Dinge, mit denen man anderen helfen kann”.

Und gesund für den Helfenden ist es obendrein. Das jedenfalls unterstrich Dübbelde in seinem Vortrag. Ehrenamtliche lebten im Durchschnitt sieben Jahre länger. „Ärzte sollten keine Medikamente mehr verschreiben, sondern direkt an die Freiwilligenagentur überweisen”, sagte er. Aber das war sicher nicht ganz ernst gemeint.

Ehrenamt ist hierzulande vergleichsweise jung

Die Vermittlung eines Freiwilligen-Dienstes ist das eine, die Betreuung der Helfer darüber hinaus eine weitere Sache, die Sven Dübbelde am Herzen liegt. So können Fortbildungen in bestimmten Bereichen (von der Stadtbücherei für Vorlesepaten; in der Flüchtlingshilfe) angeboten werden, aber auch Gespräche für Helfer, wenn es in ihrer Arbeit Probleme gibt.

Beeindruckt von den Emder Zahlen zeigte sich Heinz Janning aus Bremen, Gründer einer der ersten deutschen Freiwilligenagenturen Anfang der 90er Jahre in Bremen, also ein Pionier hierzulande. Janning beleuchtete das Ehrenamtsthema auch von der historischen Seite. So ausgeprägt Ehrenamtlichkeit inzwischen in der Bundesrepublik ist – es gibt 500 Freiwilligenagenturen bundesweit und Millionen Helfer allein in Niedersachsen – , so jung ist diese Form karitativen Wirkens. Zum Vergleich: In den USA entstanden erste sogenannte Volunteer Action Centres schon 1919 (notgedrungen, weil das Sozialsystem ein solches Engagement dringend erforderte), Großbritannien folgte 1964, die Niederlande 1972.

Wer heute ein freiwilliges Amt übernehmen will, der möchte „selber mitgestalten, keine Dauerverpflichtung eingehen und ein gleichwertiger freiwilliger Mitarbeiter sein”, führte Janning weiter aus. Den alten Helfer-Typus, der Jahrzehnte seine „Zeit opfert” und „Arbeitsdienst” leiste, gebe es kaum noch. „Mit dieser Veränderung müssen wir umgehen”, sagte Janning. „Zugeständnisse machen, neue Entwicklungen zulassen und sich aufeinander zubewegen” – nur so könne heute Ehrenamt funktionieren.

Mehr Infos erteilt Sven Dübbelde unter duebbelde@emden.de

Quelle: Emder Zeitung vom Montag, 29. Oktober 2018, Seite 3
www.EmderZeitung.de

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