Mit einem langen Atem für die Vereine

Erstes von sechs Treffen des Vorstandes vom NFV-Kreis Ostfriesland mit Vereinsvorsitzenden. Einen langen Atem bescheinigt der Vorsitzende des NFV-Kreises Ostfriesland, Winfried Neumann, sich und seinen Vorstandskollegen, wenn es auf den Sitzungen vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) um die Belange der 165 Vereine geht, die sich vor anderthalb Jahren als Großkreis Ostfriesland zusammengeschlossen haben. Und um ein bisschen zu hören, was die Vereine bewegt, gibt es sechs Treffen in Ostfriesland mit den Vereinsvorsitzenden. Am Montagabend machten in Suurhusen die Vereine aus Emden, der Gemeinde Hinte und Krummhörn den Anfang.

Der Kreistag, zu dem dann alle 165 Vereine des NFV-Kreises Ostfriesland eingeladen werden, ist erst 2020. „Dort kommen wahrscheinlich schnell weit über 200 Menschen zusammen, der Termin ist also kein Problemlösungsforum”, sagte Neumann. Deshalb die Idee, zur Halbzeit der drei Jahre zwischen den Kreistagen, die sechs Treffen durchzuführen. Und es ist doch einiges, womit sich die 22 anwesenden der 31 eingeladenen Vereinsvorsitzenden tagtäglich auseinandersetzen müssen.

Die größte Sorge gilt den jugendlichen Spielern der Vereine

Die größte Sorge gilt den jugendlichen Spielern der Vereine. Der Nachwuchs, gerade im A-Jugendbereich, bricht immer mehr weg. In Ostfriesland sind es aktuell 30 A-Jugendteams im Spielbetrieb. „Die hatten wir früher nur im Kreis Aurich”, sagte Neumann. Ein Problem, dass viele Vereine dabei beschäftigt, ist das Abwerben der A-Jugendlichen. „Unter den acht Mitgliedern des Jugend-Fördervereins Krummhörn klappen die Absprachen gut, doch dann kommen andere Vereine”, sagte Jan Hillebrand vom JFV Krummhörn. Er wünscht sich eine Vorgabe seitens des NFV-Kreis-Vorstandes, der Neumann allerdings eine Absage erteilte. „Ich habe da rechtliche Bedenken, denn die A-Jugendspieler sind 18 Jahre alt, können selbst entscheiden.” Tenor aus der Versammlung war, dass alle Vereine fair miteinander umgehen sollten. Eine Art Kodex wäre vielleicht eine Lösung.

Auch im Herrenbereich ist die Entwicklung rückläufig. Eine Tendenz, die seit 20 Jahren zu beobachten ist. Zurzeit sind 951 Mannschaften im Spielbetrieb, das sind fast neun Prozent weniger als in der Saison 2014/2015. „Da unterscheiden wir uns aber nicht von anderen Kreisen in Niedersachsen”, so Neumann, der die Größe des Kreises Ostfriesland noch einmal positiv wertete. „Mittlerweile schließen sich Kreise zusammen, die schon vorher einmal mit anderen fusioniert haben.” Der Kreis Ostfriesland ist flächenmäßig der zweitgrößte und von den Vereinen her der viertgrößte in Niedersachsen.

Positiv vermeldete der NFV-Kreisvorstand, dass sie intensiv die Sprache zu den Finanzen der ländlichen Vereine in Barsinghausen (Sitz des NFV) ansprechen würden. „Die Kosten müssen wir im Blick behalten und haben nun mit dem NFV-Präsidenten Günter Distelrath auch jemanden, der dafür ein offenes Ohr hat.” So werden zur Saison 2019/2020 die Trikotgenehmigungsgebühren für die Vereine abgeschafft (25 Euro pro Mannschaft). „Das werte ich einmal als kleinen Einstieg.” Das Startgeld für Jugend- und Frauenteams in der Halle hat der Kreis nach der Fusion auch nicht mehr erhoben, das hatten vorher nur die Kreise Emden und Aurich nicht gemacht. Diese Gebühr ist in der kommenden Saison nun in ganz Niedersachsen auch vom Tisch. Auch die an den Kreis gehenden Gebühren pro Team für Schiedsrichter, die in der Halle eingesetzt werden, sind ebenfalls vom Tisch. „Ich hoffe, wir können 2020 beim Kreistag in Sachen Gebühren noch mehr vermelden.”

Ein ganz wichtiges Thema sind dabei auch die Inselfahrten

Ein ganz wichtiges Thema sind dabei auch die Inselfahrten. Es kam schon vor, dass Vereine, die auf Juist angetreten sind, mit dem Flieger zurückkehren mussten, weil keine Fähre mehr fahren konnte. „Das Thema betrifft nur uns als Kreis in Niedersachsen”, sagte Neumann. Und da seien er und seine Vorstandskollegen dran. Immerhin, so Kreis-Schatzmeisterin Claudia Tschöke, versuche sie gerade, dass bei den Reedereien Konten eingerichtet werden, von denen die Fahrten dann bezahlt werden. „Das würde die Arbeit erleichtern, zudem müssten die Vereine nicht so viel Bargeld mitschleppen.”

Ein wichtiges Thema vor allem unter den Emder Vereinen sind aktuell auch die Schiedsrichter. Es gebe viel zu wenig, sagte der 2. Vorsitzende von Spiel und Sport Emden, Peter Bartsch. „Bei den Männern haben wir aktuell keinen Schiedsrichter mehr auf Verbandsebene, also Oberliga und höher”, sagte er. Für eine Stadt mit 50 000 Einwohnern und 13 Fußballvereinen sei das zu wenig. Er regte an, die Talentförderung der Schiedsrichter vielleicht anders und besser zu machen.

Passend zum Schiedsrichterthema steht eine Erhöhung der Schiedsrichterspesen ins Haus. Die seien zwar seit 2012 nicht mehr erhöht worden, so Neumann. Doch der Kreis Ostfriesland sowie ein anderer Kreis haben in Basinghausen dagegen gestimmt. „Warum? Weil so deutliche Mehrkosten auf die Vereine zukommen.” Johann Schön, 1. stellvertretende Vorsitzender, hat das einmal für einen Verein mit drei Herrenmannschaften und drei Jugendteams ausgerechnet. „Wenn bei den sechs Mannschaften Schiedsrichter eingesetzt werden, muss der Verein 700 Euro mehr bezahlen.” Der Kreisvorstand überlegt nun, die Spesen moderat anzuheben.

Quelle: Emder Zeitung vom Mittwoch, 16. Januar 2019, Seite 15
www.EmderZeitung.de
Stadtsportbund Emden e. V. © 2018